Nur ein gutes Gefühl soll bleiben.

by missgoldmund

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gestern hat sich mein tag um den tisch abgespielt.

am morgen schaffte ich es endlich mal zu lernen, es ging wie von selbst, es ging wie immer. ich war ganz überrascht, muss ich ganz ehrlich sagen. und unendlich erleichtert: denn auch wenn ich nicht mal annähernd soviel gemacht habe, wie ich wollte, habe ich es geschafft überhaupt was zu machen. anzufangen. der rest wird schon noch kommen, nur dran bleiben. und wenn ich die prüfung zum dritten mal verschieben muss, auch gut. ich muss mich nicht auch noch mit einem schlechten gewissen bestrafen, wenn es mir schon so scheisse gegangen ist in den letzten  monaten. da kann ich mir ruhig auf die schulter klopfen, wenn ich schon nur den mut finde mich wieder ins rennen zu begeben. wieder weiter zu machen, trotz allem.

dann am nachmittag hatte ich einen riesen rückfall, ausrutscher oder wie ihr das nennen wollt. ich habe alles eßbares verschlungen und sogar noch gekocht. fast das niedrigste level meiner anfälle. ach, meine bulimie. ich weiss nicht, was sie mir gestern so lautstark sagen wollte. aber das werd ich schon noch verstehen, wenn es was zu verstehen gibt. sicher ist dass es mir echt scheisse ging danach. und auch währenddessen. ich hasse dieses ritual, doch ob es mir gefällt oder nicht, es gibt mir sicherheit. für diese paar minuten denke ich an nichts und bin nur lieb mit mir. ich tue mir ehrlich leid, denke zum ersten mal, dass ich mir vielleicht wiedermal zuviel aufgeladen habe, dass ich doch eigentlich gut war, bei dem was für mich gerade zählt. meine bulimie war immer schon meine medizin gegen den perfektionismus. sie lässt mich halt machen, sie zeigt mir, dass ich eigentlich gar nicht so schlecht war, dass es viel schlimmer sein könnte.

nichts desto trotz bin ich gestern abend mit meinem tiger essen gegangen. zwei jahre sind wir nun zusammen und das gehörte gefeiert. und es war das schönste essen, dass ich je mit ihm gemacht habe. wir hatten solchen spass, ich war echt sehr gut gelaunt, wegen dem liter wein, der mir großzügig ausgeschenkt wurde. so gut unterhalten habe ich mich echt seit monaten nicht. auch mit ihm, obwohl wir schöne abende verbracht haben, nie habe ich mich so amüsiert. das essen war nicht so spitzenklasse, und wir haben über alles gemeckert, natürlich leise und unter uns. der nächste tisch war einen zentimeter entfernt, doch auch dass hat uns nicht gestört. das restaurant war nicht ganz so, wie wir es uns vorgestellt hatten, aber ehrlich, noch nie habe ich so einen schönen abend verbracht.

und auch jetzt, am morgen danach, bleibt nur noch das gute gefühl im bauch.