Es hat schon begonnen.
by missgoldmund
diese tage weg von meiner wohnung, weg von meiner stadt und weg von tiger haben mir gut getan. ich habe mit wildfremden menschen dieses neue jahr begonnen. wie so oft schon. ich und die freundin, die mich mitbringt, und all diese fremden leute, die sich untereinander schon ewig kennen. ich fühle mich dann immer wie ein braunes ei in einer schachtel wo lauter weisse eier drin sind, die alle was gemeinsam haben, nur ich gehöre nicht dazu. aber irgendwie erleichtert es mir das auch. ich brauch nichts beweisen, muss nicht nett sein, muss mir nicht sorgen machen, was sie dann von mir denken werden. deshalb habe ich mich gratis zulaufen lassen, ein bisschen geflirtet und viel gegessen. karten gespielt und billiard und dann wieder ein bisschen smalltalk. tut mir nur gut.
mit meiner schwedischen freundin, die verbindungsfreundin von vorher, bin ich gut ausgekommen, obwohl ich im nachhinein auch wieder genau weiss, was mich an sie vor so vielen jahren immer störte: die sturheit, die eigensinnigkeit und die leichtsinnigkeit. aber auch das, was ich immer an ihr liebte fand ich nach vier jahren wieder so vor, wie ich es in errinerung hatte: herzlichkeit, wärme, respekt und diese kleine familie, die wir immer schon zu zweit bildeten, auch als wir zusammen wohnten: das frühstück zusammen, das nachtessen zu zweit, jeder kümmert sich auch um den anderen. so nahe sind mir echt nur ganz wenig freundinnen. nicht mal tiger frühstückt mit mir und das ist mir ganz ehrlich gesagt auch recht so. ich will da nur die engsten. er wäre klarerweise willkommen, aber er steht ja um die zeit an der ich frühstücke sowieso nie auf. naja, um zurück auf meine liebste schwedin zu kommen, ich habe sie so unheimlich gern, für das was sie mir gibt, so ganz spontan und unbewusst. und dann sind wir einfach auf wellenlänge: ich sage um zwei uhr nachmittags “lust auf ein gläschen?” und sie ist die einzige von der ganzen erde, die ohne jegliches wenn und aber zusagt. da gibt es kein “ich habe kein geld, kopfweh, zeit” oder gar ein “jetzt schon?”. da gibt es nur ein “Klar!”. es tut so gut manchmal einfach so genommen zu werden, wie man ist, ohne lange erklären zu müssen oder sich gar entschuldigen zu müssen. es tut einfach meiner seele gut. und ich habe echt was verpasst, die ganzen letzten vier jahre, in denen wir uns nicht mehr gesehen noch geschrieben haben. das wird sich ändern, so gut wir es auf die reihe bringen.
dann waren da die paare, die ich sah in diesen tagen: sie stimmten mich traurig. als ich ihnen so zuschaute, es wurde mir ganz schwummrig. ich will nicht so enden. einen mann, den man bei aller phantasie nicht als attraktiv bezeichnen kann, ja noch nicht mal als interessant. eine frau, noch nicht mal dreissig und doch so alt von aussen. ich weiss nicht, es kam mir vor als würden sie mit allen was sie hatten ausdrücken, dass es jetzt ja sowieso schon alles egal war. sie hatten, den mann, den würden sie auch heiraten und nebenbei beschweren sie sich ein bisschen über das viele essen während der festtage. ich weiss, das klingt jetzt so oberklug, aber als ich ihnen so zuschaute wurde mir wirklich so richtig schwer ums herz, und ich fühlte mich schrecklich dabei, wo sie mich doch so offen auf ihrer party eingeladen haben. und ich sass nun da, ich eitles würmchen, und richtete über sie, dachte “die sind echt arscharm dran”. mit welchen recht? aber es war nichts persönliches, es war nicht gegen sie gerichtet, sondern gegen das was ich nicht will in meiner zukunft. das abstumpfen, nein wirklich, ich bin nicht für das leben ohne veränderungen gemacht. ich brauche immer einen kleinen kick, sei es einen kurztrip in eine andere stadt, sei es eine veränderung in meinen vier wänden, oder in mir drin. diese standhaftigkeit, nach der ich mich oft so sehne, die brauche ich anscheinend nicht zu hundert prozent. zu fünfzig ist sie stabilisierend, haltgebend und rückenstärkend, aber zu hundert prozent ist sie für mich lähmend. ich bin froh, so froh, dass ich tiger habe. wir mit unserer tigerliebe, ich bin so dankbar für das was ich habe. einen guten, fairen und richtigen mann. sympathisch, witzig, stark und geduldig. er hat unendlich viele macken, klar, aber ich errinnere mich nie so wirklich an sie, konnte sie noch nie so richtig aufzählen.
dann war da noch der alkohol. ach ich vermisse es so sehr, diese freundinnenabende, wo du weisst du kannst danach einfach heim, noch schnell was futtern mitten in der nacht und dich geschminkt ins bett fallen lassen. keinen freund zu haben, der sich noch was von dir erwartet, der sich irgendwie zu wenig wahrgenommen fühlt oder der vor deiner haustür den dackelblick aufsetzt. das kann ja oft schmeichelhaft sein, aber es braucht ab und zu auch solche freie abende, ohne parterschaftsrealität. denn erstens kann man mal wieder flirten, und flirten tut der seele immer gut. zweitens sieht man, was man für ein glück hat mit seinem fang, dass man ihn gegen niemand anders je eintauschen würde: der ist nicht so sexy wie meiner, der ist nicht so schlagfertig wie meiner, und der ist sicher nicht so ein guter wie meiner. je mehr ich sehe, was es so an angebot gibt, desto mehr bin ich überzeugt von dem was zu hause schon auf mich wartet. und das ist gut so, manchmal braucht es das ganz dringend, das sich wieder bewusst werden, was man da eigentlich hat. und auch wer man eigentlich ist: eine hübsche junge frau, die trotz den mutterwünschen und liirungsreden immer noch weiss, wie das leben im acquarium funktioniert, mit den ganzen anderen fischen. aber meinen nemo, den habe ich schon vor zwei jahren gefunden.
naja, und nun hat das neue jahr schon angefangen. ich wollte mir eigentlich keine liste mit den guten vorsätzten machen, aber ich habe es heute trotzdem gemacht. keine vorsätzte, aber ziele, die ich in diesen jahr erreichen möchte. wünsche, die ich mir erfüllen möchte. träume, die wahr werden sollen.
1. ich will erinnerungen sammeln: neue lokale, neue leute, neue städte, neue hobbys. ich will mich ein bisschen mehr in die welt trauen.
2. ich will meiner vorstellung vom unileben ein bisschen näher kommen: ein abendessen bei mir daheim zu kochen, mit anderen wiederholen und nicht immer nur alleine lernen, ausgehen und mich auch mal hier so richtig besaufen. zu mir stehen. ich bin nicht wie alle hier, und das ist auch ganz gut so.
3.ich möchte gerne einen kurs machen. sport, kochen, freiwillige arbeit, ich möchte gerne neue leute auserhalb der uni kennenlernen. und was tun, dass gar nichts mit medizin zu tun hat.
4. einmal bei einem wettkampf teilnehmen. ein rennen zum beispiel. ja, ein rennen.
und für heute genügt das, aber ich glaube, dass das noch lange nicht komplett ist. euch allen ein wunderbares jahr, voller leben und neuigkeiten, voller leidenschaft und lieben menschen.
